nachdenksachen

Vermisst wird …

(redcross.ch)

Während der letzten Tage wurde über die Todesstrafeninitiative (zurecht) heftig debattiert. (-> hier, hier und hier.)

Es zeigt, welch tragische Irrwege manchmal für die psychische Aufarbeitung eingeschlagen werden, hervorgerufen durch den Schmerz eines in höchstem Masse ungerechten, oder unverständlichen Ereignisses.
So unfassbar dieser Mord auch ist, eines bleibt den hinterbliebenen Angehörigen/Initianten: Die Gewissheit über den Tod eines geliebten Menschen.

Ganz anders leiden die „Hinterbliebenen“ von vermissten Menschen. Für sie ist die Ungewissheit wie eine stumme Folter:

„Weltweit werden hunderttausende Menschen vermisst. Sie wurden verschleppt, umgebracht oder sind im Krieg gefallen. Ihre Angehörigen sind zum Teil seit vielen Jahren ohne Nachricht über ihr Schicksal. Anlässlich des Internationalen Tags der Verschwundenen am 30. August macht das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) auf die Tragödie der Vermissten und ihrer Angehörigen aufmerksam. [weiterlesen…]“
(Quelle Bild und Text: redcross.ch)

Am 30. August ist Internationaler Tag der Verschwundenen.

„Der Suchdienst des SRK bearbeitet jährlich rund 400 Suchanträge. Über 50 Prozent davon können erfolgreich abgeschlossen werden.“

Wahrscheinlich steht im Anschluss an einen „erfolgreich abgeschlossenen“ Suchantrag nicht immer ein Happyend, aber eines erhalten die Angehörigen auf jeden Fall: Gewissheit.

Posted by Bobsmile in nachdenksachen, 0 comments

SAH Volksbefragung – Satirisches Trittbrettfahren

Ganz (bewusst) im marktschreierischen Stil der SVP (Wahl-)Kampagne hat nun das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH ihrerseits eine (Wachrüttel-)Kampagne lanciert, deren Augenmerk auf die Misstände durch Ausbeutung bei Beschaffungsgeschäften Schweizer Gemeinden gerichtet ist.

Unter dem Link „volks-befragung.ch“  (mit Bindestrich!) findet sich die Einstiegsseite mit dem Schlagwort „Ausbeutung“ statt  „Ausländer“.

Und hier nun  Original …

(SVP)

… und „Fälschung“

(SAH)

Trotz ernstem Thema, lädt der satirische Anstrich der SAH Kampagne zum Schmunzeln ein, schlägt er doch zwei Fliegen mit einer Klappe.

Wer wirft wohl den ersten Stein in Sachen Ideenklau? 😉

Infos zur Kampagne gibt es auch unter www.kehrseite.ch
(«Keine Ausbeutung mit unseren Steuergeldern»)

Aprospos verfügbare Internetadressen:
In der Augenreiberei erfährt man übrigens, wie gewisse Firmen eine gewisse Firma mit reservierten Internet-Adressen politisch(en) Schindluder betreibt.

Posted by Bobsmile in internettesachen, nachdenksachen, politsachen, 2 comments

Gölä Tour Promotion mit Eva Prinzip

Deutschland hat ihr Heimchen Eva Herman, und die Schweiz ihren Büezer Rocker Marco „Gölä“ Pfeuti.

Beide stehen mehr oder weniger für „rechte Werte“ ein.

Und damit ist die Promotionsmaschinerie für Göläs neues Album angelaufen, hat bereits die Gemüter erhitzt und die Fans verzückt.

Und hier ein paar Statements von Gölä, der ja nie mehr auf Schweizerdeutsch singen wollte und dann doch wieder auf Schweizerdeutsch sang und sich jetzt mit den Bellamy Brothers auf Tournee wagt:
(Nachzulesen in der Presse und auf knill blog)

  • «Ich würde praktisch den gesamten Bundesrat auswechseln. Die Schweizer Politiker sind komplett unfähig.»

  • «Wenn jemand in mein Haus einbricht und meine Frau und Kinder angreift, dann habe ich das Recht, den zu erschiessen … Ein anständiger Bürger sollte auch eine Waffe zu Hause haben dürfen.»
  • «Die Jugend kennt keine Ehre mehr. Der Respekt vor ­einem Menschenleben ist verloren gegangen.»

Sogar die Politik warf mit dem SVP Häuptling „Kleiner Brunner“ einen Wahlkampf-Anker und holt den Berner Rocker für kurze Zeit ins Boot, das gemäss zu erwartendem Resultat aus der Volksbefragung.ch wohl wieder mal zu voll wird.

O-Ton Brunner:
„Wir würden zusammen durchs Land ziehen und die Schweiz rocken: Er singt, und ich mache den Background.

Wer Lust auf noch mehr Gölä Prinzipien hat, darf sich gerne noch einmal das etwas ältere Interview in der Welwoche („Treuer als jeder Hund“) aus dem Jahre 2006 zu Gemüte führen. Darin stellte sich der Journalist*) sprachtechnisch auf die gleiche Stufe wie Pfeuti.
Ein Schelm, der Absicht unterstellt, aber man darf das auch nicht zu eng sehen.  🙂

  • Zu Eva Herman gibts bei Swiss-Lupe spannende Ansichten.

*) [Update: Musikredaktor Albert Kuhn wurde wegen seiner Kritik am rechtspopulistischen Stil zur Minarettabstimmung letztes Jahr von Weltwoche Chef Köppel entlassen! ]

Posted by Bobsmile in fundsachen, nachdenksachen, 4 comments

Begegnung mit dem „Fremden“

Es geschah an einem Donnerstag Nachmittag im schwedischen Möbelhaus an der Einkaufsmeile in Lyssach, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Es war in meiner letzten Ferienwoche und gemeinsam mit meiner besten Ehefrau von allen schauten wir mit mehr oder weniger Interesse auf die doch etwas wackeligen Sitzgelegenheiten im Wohnzimmerbereich.

Da geschah es: Ich stand zum ersten Mal Auge in Auge einer Muslimin im Niqab gegenüber. Daneben vermutlich ihr Mann: Shorts, T-Shirt mit westlichem Modelabel-Aufdruck, Flip-Flops.
Ok, Auge in Auge ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich habe es so in Erinnerung. Nur kurz, ein flüchtiger Augenkontakt, da bin ich mir sicher.

Ein nie gekanntes Gefühl stieg in mir auf, eine Mischung aus Überraschung, Abneigung, Hühnerhaut, (Furcht?), Ärger, Misstrauen, Mitleid, Unmut, über mich selber? Hatte ich nicht schon hunderte Male in den Medien Bilder von solch verhüllten Frauen gesehen? Und jetzt geriet meine Gefühlswelt derart in Rage?

Gut, hier fand also meine erste reale Begegnung mit einer bis auf die Augen verschleierten Person statt. Der Flip-Flop Mann redete mit ihr in einer mir fremden Sprache über eine Kücheneinrichtung, jedenfalls standen sie davor. Sie antwortete ihm, … wahrscheinlich, … jedenfalls sah man ein leichtes Flattern des Niqab, gleich unterhalb der von der Nase verursachten Wölbung.

Ich sah die Menschen um uns tuscheln, ich sah in grinsende Gesichter und ich sah in verwunderte Gesichter. Ich sah diverseste Minenspiele, konnte die Gesichts- und Körperhaltungen deuten und verstand plötzlich, wie viel mir unsere Kultur des ganzheitlichen Kommunizierens mit Gestik und Sprache bedeutet.

Dieser Frau im schwedischen Möbelhaus neben der schwedischen Küche, neben ihrem Bierbauch-Mann, wird diese Kommunikationsform in der Öffentlichkeit aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit immer versagt bleiben.

Ich kann es nicht verstehen, diskutierte den ganzen Tag immer wieder mit meiner Frau über diese eine kurze Begegung, zum Schluss blieb mir nur ein Fazit:

Ein generelles Verschleierungsverbot ist kontraproduktiv, aber Aufklärung tut Not und gewisse Schweizerische, bzw. westliche  Normen gelten halt einfach auch für Muslime.

Aus den Schweizerischen Passfoto Kriterien:

Muslimische Bekleidungsfomen:


Von Kopftuch bis Burka, was andere darüber schreiben:

Posted by Bobsmile in in eigener sache, nachdenksachen, 0 comments

Meteo: Knatsch um "unbekannte" Ortschaften.

Da hat MeteoSwiss sein Albis Wetter Radar zeitgerecht repariert, da geraten sich zwei grosse Datenabnehmer in die Haare.

Die in diesem Beitrag mehr so als Nebenschauplatz von Titus erwähnte Wetterkarte von SF Meteo (mit Wetterchef  Thomas Bucheli) mit den eher wenig bekannten, aber zum Teil thematisch zusammengestellten Ortschaftsnamen, spaltet die Nation und lässt beim Konkurrenten MeteoNews den Blutdruck von CEO Peter Wick hochschnellen.

Warum SF Zürich, Basel und Bern nicht mehr auf der Karte zeigt

(www.derbund.ch)

„Für Wick ist klar, dass Bucheli neuerdings den Eindruck erwecken will, SF Meteo könne für jede kleine Region die gleich guten Prognosen senden wie die Regionalsender – die Wick beliefert.“ (Zitat in www.derbund.ch)

Auch Maurus Lauber, Marketingchef von Zürich Tourismus ist nicht begeistert.

«Es macht den Eindruck, die Auswahl basiert auf der Überlegung: Seht, wir haben noch einen Ort gefunden, den niemand kennt», sagt Lauber. Der Nutzen für den Zuschauer und geneigten Gebührenzahler sei fraglich. «Ein minimaler Bekanntheitsgrad bei den Ortsangaben müsste schon gegeben sein, denn bei Orten ganz ohne Wiedererkennungswert bleibt der Zuschauer ratlos», sagt Lauber. (Zitat in www.derbund.ch)

Bei Bobsmiles fragt man sich: Ist das wirklich so? SF Meteo ist doch auch in erster Linie Unterhaltung vom Dach, bei der man nebenbei auch noch hautnah (Züri-)Wetter mitkriegt. (Dafür gab es dieses Jahr ja auch die Auszeichung der Wetterfrösche).

Oder hat Peter Wick, der mit Jörg (ja genau dem) Kachelmann (Meteomedia) Ende 2006 die Plattform Meteocentrale.ch ins Leben rief, nur Angst, dass ihm im nächsten Sturmtief die Felle davonschwimmen könnten?

Also ich fand diese Namensassoziationen bei SF Meteo ganz witzig, eigentlich ein cleverer Schachzug um die Aufmerksamkeit des Zusehers zu erlangen.

So oder so, der Gast in Saas Fee zum Beispiel kriegt das lokale Wetter über RRO und dessen Lokalfernsehen Tele Oberwallis präsentiert. (Gemäss Quelltext Kunde von MeteoSwiss) 😉

Aber vielleicht ist es ja tatsächlich ein Versuch von SF Meteo, sich etwas mehr vom Wetterkuchen abzuschneiden.  😉

Posted by Bobsmile in geschmackssachen, nachdenksachen, 1 comment

Fragwürdige Marketingaktion unter CO2 Deckmäntelchen

Morgen 18. Mai ist nun also der unter dem Patronat diverser Nationalräte, Bundesämtern und Umweltschutzverbände stehende

Home Office Day

Er soll Arbeitgeber, wie -nehmer für mehr Heimarbeit motivieren, und somit einen wichtigen Beitrag leisten zu Klimaschutz, mehr Lebensqualität und gesteigerte Produktivität.

Die Message: Arbeiten Sie von zu Hause aus und reduzieren Sie so den CO2 Ausstoss!

Alles Augenwischerei,wie die Augenreiberei.ch ausführlich aufgedeckt hat: Lesen Sie dort alles über den Wolf im Schafspelz.

Eigentlich ist ja gegen Aktionen, die unnötige Fahrten mit privaten, wie  öffentlichen Verkehrsmitteln nachhaltig reduzieren, nichts einzuwenden. Allerdings gerät diese Kampagne in ein schiefes Licht, da sie bei genauerem Hinsehen ziemlich einseitig von einer Hand voll „Big Players“ im hiessigen Markt lanciert wird.

Auch Moritz Leuenberger ist für Home Office
Dann muss es doch was Gutes sein, oder?
Bereits im April hat inside-it.ch anlässlich der bevorstehenden Medienveranstaltung die einseitige Bevorteilung von Microsoft durch den Bund angeprangert:

„[…]Der Event kommt [zudem] auf den ersten Blick als reine Microsoft-Veranstaltung daher: Microsoft verschickt die Medieneinladung, Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser leitet die Medienorientierung und die Sprecherin des Home Office Day ist Barbara Josef, gleichzeitig Sprecherin von Microsoft Schweiz. […]“
Quelle: inside-it.ch

Home Office Day, das heisst nun also im Klartext:

  • Die Ausstattung liefert Microsoft.
  • Die Verbindung (fixnet od. mobile) garantiert Swisscom
  • Die Home-Verpflegung kommt von Migros (LeShop)
  • Swica bietet einen 24h Anrufservice für die Gesundheit

Alles nette Dienstleistungen, die mit den gesammelten Umfragedaten  von www.homeofficeday.ch gezielt an die Frau/den Mann gebracht werden können.

Also Achtung, das ganze ist eine Mogelpackung und dient vor allem  Marketingzwecken! Edi Manser lässt grüssen …

Posted by bobsmile in internettesachen, nachdenksachen, 0 comments

Keine zweite Rettungsaktion für die UBS, wer's glaubt …

Ein Bundesrat erklärt die Welt.

Heute: Merz schliesst erneute Rettung der UBS kategorisch aus.
Können wir ihn wenigstens diesmal beim Wort nehmen?

«Diese Schiene führt das nächste Mal nicht mehr in die Remise des Staates.»

Aber im gleichen Beitrag erklärt uns Herr Merz (ab 05:00):

„Bei einer Ablehnung des Staatsvertrags mit den USA sind mehrere zehntausend Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet […] das führt dann auch zu den Kriterien von ‚too big to fail‘, eines davon ist die Grösse der Bank […] „

Nochmal zum Mitschreiben: Wenn die USA ihre Gesetzesmaschinerie aufgrund des vom Parlament verhinderten Staatsvertrages anwirft, dann ist die UBS mit ihren zehntausenden von Arbeitsplätzen doch immer noch ‚too big to fail‘!
Warum sollte man sie sich dann plötzlich selber überlassen können, ohne dass zum zweiten Mal der Wirtschaft die Puste auszugehen droht?


Sendung «ECO» SF

Was andere so zu too big to fail schreiben:

und zum Herrn mit der langen Nase allgemein:

Posted by bobsmile in nachdenksachen, politsachen, 0 comments

Nichts ist unmöglich. Toyota und das denkende Auto.


(Bild: auto-iq.ch)

Denkt ihr Auto mit? Dieser Frage begegnete ich bereits hier im November 2009.

Heute denke ich: „Hoffentlich nicht!“ und blicke besorgt auf die jüngsten Probleme beim japanischen Autobauer Toyota.
Wenn sogar der japanische Auto Kaiser Toyoda persönlich in USA zu Kreuze kriecht, dann steht es wohl wirklich schlimm um den momentanen Qualitätsstandard der Nummer zwei unter den führenden Automobilherstellern.
Toyota zahlt den Preis einer ungezügelten Expansionsstrategie.

Nachzulesen bei „Zu viel Gas„. Ein kritischer Artikel bei zeit.online zu Risiken globaler Expansion in der Automobilindustrie.

Fahrer Assistenz Systeme – Segen oder Fluch?


Toyota Pic Nic (Bild: wikipedia)

Bei meinem Toyota Pic Nic aus den späten Neunzigern fällt ab und zu (verschmutzte Sensoren) das Antiblockiersystem (ABS) aus, d.h.es wird abgeschaltet und ein oranges Lämpchen leuchtet. Das ist noch kein Grund zur Panik, denn diese Art „Bremshilfe“ kann man fahrtechnisch ausgleichen.


Toyota iQ (Bild: ZeitOnline)

Bei den neusten Modellen von Toyota allerdings spielen auf einmal Gas (div. Modelle) und Bremsen (Modell Prius) verrückt, zwei elementare Funktionsmechanismen, mit denen man ein Fahrzeug willentlich und direkt kontrollieren kann.
Doch heute sind Gas und Bremse ja auch nicht mehr rein mechanisch über Seilzüge mit den Pedalen verbunden, nein, da sorgt viel Sensorik und ein paar Servomotörchen für komfortable Bedienung.
Und mit zunehmendem Einsatz elektronischer Mess- und Regeltechnik werden die Fahrzeuge halt auch Störungsanfälliger.
Das darf aber nicht dazu führen, dass das Fahrzeug selber denkt und lenkt!

Aber genau das scheint mir bei den jüngsten Vorfällen mit Toyota der Fall zu sein. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht im mechanischen Verschleiss, sondern eher bei fehlerhafter Software und Elektronik zu suchen!

Und bisher kennt man die genauen Umstände immer noch nicht! Und weil man was tun muss, auch wenn man nicht Ford heisst, so übt man sich in Symptombekämpfung:

Ein kleines Metallklötzchen, ein »Distanzstück« soll die Reibung bei inkriminierten Gaspedalen verringern und so weitere Problemfälle ausschließen.
(Zitat aus Zu viel Gas, zeitonline)

Doch hat nur Toyota solche Probleme? Oder treten bei anderen Herstellern die Mängel einfach nicht gehäuft auf? Wieviele Kunden werden heute mit sogenannten „Phänomenen“ wieder nach Hause geschickt?

Wenn die Elektronik verrückt spielt

Und nun wieder zurück zum denkenden Auto. Was passiert, wenn die Elektronik austickt und einem das Lenkrad herumreisst, oder in starkem Verkehr auf der Autobahn eine Vollbremsung auslöst?

Früher hiess es: „Achzigjähriger hat Gas mit Bremse verwechselt.“
Da kann man sich heute nicht mehr so sicher sein, möglicherweise war’s das Auto selber!

Posted by bobsmile in nachdenksachen, 7 comments

Preis der Leipziger Buchmesse – Jury liest Bücher im Akkord?

Gross war ja der mediale Aufschrei zum Plagiatsvorwurf von Hegemann, doch irgendwie driftet die ganze Plagiatsdiskussion bereits wieder in den Hintergrund.

Büchner-Preisträger Durs Grünbein greift das ganze literarisch auf, spielt mit dem Empörungs Hype, klaut bei Gottfried Benn und rezensiert damit Hegemanns „Axolotl Roadkill“.

O-Ton Grünbein:
„Diese leidige Dauerdebatte um Frau Hegemann bekommt damit eine Drehung ins Dadaistische.“

Eine kleine Zahlenspielerei zur Arbeit der Jury

Die Jury besteht aus 7 Mitglieder.
Für den Buchpreis wurden 760 Bücher eingereicht.

(Bild-Quelle: Preis der Leipziger Buchmesse)

14.12.09: Die Jury beginnt zu lesen.
11.02.10: Die Nominierten stehen fest.

760 Bücher in 60 Tagen, das ergibt nach Adam Riese für jedes Jurymitglied rund 12 Bücher pro Tag.
Wow! Wie geht denn so etwas? Oder wurde der Jury bereits eine Vorauswahl von all den einflussreichen Leuten Experten aus der Literaturmaffia Verlagswelt zusammengestellt?
Wie sagte schon Bittner in seinem Buch (Beruf: Schriftsteller. Was man wissen muss, wenn man vom Schreiben leben will.):

„[…]um auf dem Markt überleben zu können, muss man herausragen, man muss zwar nicht unbedingt besser, aber interessanter sein als andere, ein Markenartikel.“
(Quelle:Im Kampf gegen Zensur und „Literaturmafia“)

Und schon sind wir wieder zurück beim alten Thema:
Helene Hegemanns
Geschreibsel ist Nebensache,  denn ihre Person hebt sich medial von allen anderen ab. Wird als eben dieser obenerwähnte Markenartikel in Talk-Shows platziert.
Erst 17 Jahre alt, strähnige Haare, verschwurbelte Rede, das reicht um bei Harald Schmidt eingeladen zu werden.

Doch was macht Harald Schmidt? Statt gnadenlos zu Punkten, kuschelte der sonst so angriffige Spätschichtler anscheinend mit Hegemann („Mit 17? Da hatte ich noch Träume.“), und wirbt auch noch für ihre Plagiatsarbeit. („Kaufen sie das Buch und unterstützen Sie eine junge hoffnungsvolle aufstrebende Künstlerin …“).

Bei genauerem Hinsehen (und vor allem Hinhören) wird einem allerdings klar, wie Harald Schmidt mit seinen gezielten Fragen und spitzen Bemerkungen die Ahnungslosigkeit von Hegemann aufdeckt.

Hier die Sendung zum Nachschauen bei Deef Pirmasens, dem Blogger der die ganze Plagiatsdiskussion ins Rollen brachte.

Und warum bleibt Hegemann denn auch nach Bekanntwerden des Abschreibe-Skandals bis 18.2. auf der Liste der Nominierten?
Rechtlich ist alles geklärt und Skandale fördern die Publizität. Dadurch schauen jetzt viele gespannt auf den 18.3., obwohl AXOLOTL ROADKILL gemäss Online Voting (http://www.preis-der-leipziger-buchmesse.de/ Voting … ) bereits im hinteren Regal steht.

Lesebefehl:

Posted by bobsmile in drucksachen, nachdenksachen, sonstige sachen, 0 comments

Plagiat! Alles nur geklaut, oder Frau Wetterfest goes Hegemann

Gestern Abend, kurz nach elf. Frau Wetterfest klopfte sich den Schnee aus der Schürze. Sie war wieder einmal seit langem vom Dach in meine Wohnung herabgestiegen, hatte wohl Lust auf eine Tasse Kaffee. Doch damit lag ich so ziemlich daneben.
„Ich schreibe ein Buch“, verkündete sie fröhlich.
„Oh, oh“, rutschte es mir heraus und ich blickte auf ihren vereisten Staubwedel. Irgendwie wird sie ihrem Namen immer gerechter.
„Und Sie“, Frau Wetterfest wedelt in meine Richtung, „Sie helfen mir dabei!“
Sie rutschte neben meinen Schreibtisch und stützte sich auf die Arbeitsplatte. An ihren hochgesteckten Haaren baumelten kleine Eiszapfen, deren Agregatszustand rasch in Flüssig überging und sich als kleine Wasserlache neben meiner Maus manifestierte.
„Ich? Helfen? Aber wie sollte ich …“
„Na, sie betreiben doch eine Bloghütte.“
„Ja schon, aber Bücher schreibt man …“
„Paperlapapp“, unterbrach mich Frau Wetterfest und hatte dabei so ein feuriges Glitzern in den Augen.
„Sie kennen doch sicher viele Blogs mit vielen schönen Texten.“
„Nun ja, da gibt es schon einige …“
„Eben! Und da bedienen wir uns jetzt und basteln daraus ein Buch.“
Frau Wetterfest wischte mit dem Lappen meinen Schreibtisch trocken und legte eine A4 Seite auf die Arbeitsplatte.
„Ich gebe den Kontext vor uns sie kopieren den Rest aus all diesen geistreichen Blogs zusammen.“
Ich glaube, die Kälte auf dem Dach bekommt Frau Wetterfest doch nicht so gut.
„Das geht nicht, das wäre ein Plagiat, Diebstahl am geistigen Eigentum“, belehrte ich sie und zog meine Maus aus der Gefahrenzone ihrer Eiszapfen.
„Aber nein. Lesen sie mal das hier. Ich habe zwar keinen einflussreichen Papa, aber ich habe ja Sie, und dann suchen wir uns auch so einen Verlag, der mein tolles Buch verkauft. Damit gewinne ich dann sicher auch den Wurlitzerpreis“.
„Pulitzerpreis“, dachte ich laut, doch schon sprudelte es weiter:
„Alles im Internet ist frei verfügbar, jeder darf und kann sich ungeniert an Ideen anderer bedienen. Es ist nicht Diebstahl, sondern Inspiration.“ Das letzte Wort gedehnt, mit hochgezogenen Augenbrauen.

Die Kälte. Es musste die Kälte sein, die Frau Wetterfests Sinne verwirren liess.
Ich versuchte es noch mit Argumenten wie, Inspiration sei nicht 1:1 Abkupfern und wenn doch, dann bitte mit Zitatsverweis und Quellenangabe und Druckrechte einholen.
Doch sie redete sich in Fahrt: „Also diese Hegemann hat mit diesem ganzen Copy-Paste Exzess ganz schön viel Aufmerksamkeit gezogen.“

Ich stand auf, schnappte mir ihrer Schürze und zog sie in die Küche. Dort schenkte ich ihr eine Tasse heissen, dampfenden Kaffee ein und hoffte, dass wenn schon nicht die Jury der Leibziger Buchmesse, dann wenigsten Frau Wetterfest wieder zur Vernunft kommen würde.

***

Hintergründiges zum Plagiatvorwurf an Helene Hegemann.
(„Sie kopiert, klaut und sagt, das sei ganz normal“ – BazOnline.ch):

Axolotl Roadkill – Roman Kurzbeschreibung bei buecher.de:

‚Schreckliche Leben sind der größte Glücksfall‘, schreibt die 16jährige Mifti in ihr Tagebuch. Seit dem Tod ihrer Mutter lebt sie in Berlin, und als ‚pseudo-belastungsgestörtes‘ Problemkind durchläuft sie nach ‚Jahren der Duldungsstarre‘ gerade eine extrem negative Entwicklung.

Sehr hübsch verschwurbelte Beschreibung für den deftigen Inhalt.
So sind denn die Rezensenten auch voll des Lobes , wie hier Maxim Biller von der Frankfurter Allgemeinen:

Glauben, lieben, hassen

Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben: Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ ist ein Buch der Revolte gegen die Welt der Erwachsenen.
[…]

Tja, wenn Helene Hegemann die Texte nun wenigstens selber (v)erbrochen hätte,  doch Deef Pirmasens deckt in seinem blog „Die Gefühlskonserve“ schonungslos die ganze Wahrheit über den aus dem Netz zusammengeklickten Roman auf.

Alles nur geklaut

„[…]Ich bin begeistert und frage mich, wie ein 17jähriges (bzw. als sie es schrieb, war sie 16) Kind so etwas schreiben kann. Ist es nicht eher unwahrscheinlich, dass sie sich mit Stoffen wie Heroin und Orten wie dem unvermeidlich vorkommenden Berghain auskennt?
[…]
Helene Hegemanns Quasi-Eingeständnis “ich bediene mich überall” kann nicht als Rechtfertigung herangezogen werden. Es stellt sich viel mehr die Frage, warum andere Rezensenten an dieser Stelle nicht begonnen haben, Lunte zu riechen. Eine Google-Suche hätte sie zu Airens Blog und darin zu seinem Roman geführt.

Vor allem bediente sie sich beim Blogger Airen ganzer Textpassagen und Wortschöpfungen, ohne sie gross umzuschreiben:

Helene Hegemann

“Meine Existenz setzt sich momentan nur noch aus Schwindelanfällen und der Tatsache zusammen, dass sie von einer hyperrealen, aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten-Installation halb zerfleischt wurde.”

Vergleich mit Airens Blogtext Einerseits vom 28. Mai 2009:

“…für Erwachsene, mit farbigem Schattenspiel auf hyperrealen aber durch Rohypnol etwas schlecht aufgelösten Vaselintitten, …“

(Quelle: Deef Pirmasens, Alles nur geklaut)

***

[Update 12.2.10: Echo aus der Blognachbartschaft]

  • Gedenkminute im FEUILLES ET TON bei Cronenburg via Zappadong
    „Wer an dieser Gedenkminute fürs deutsche Feuilleton, den Preis der Leipziger Buchmesse und die Rechtsverluderung in der Buchbranche teilnehmen möchte, braucht nur den hier angeschlossenen Text zu plagiieren, ohne eine Quelle zu nennen […]“

***

Pressespiegel zum Thema:

Posted by bobsmile in drucksachen, nachdenksachen, 0 comments